Editorial Heft 3/2026
Liebe Leser*innen,
statt des üblichen Editorials hier zwei Szenarien, die sich real so abgespielt haben.
1.: Mitte Juni dieses Jahres feierte der Wagenbach-Verlag in der Staatsbibliothek Unter den Linden in Berlin in größerer Runde das Erscheinen des 100. Bandes seiner Reihe Kleine Kulturwissenschaftliche Bibliothek. Aus diesem Anlass wurde zu zwei Podiumsdiskussionen mit Autor*innen der Reihe geladen. Die zweite Runde bestritten fünf Kunsthistoriker*innen und -wissenschaftler*innen, darunter zwei der prominentesten Vertreter ihrer Zunft. Die Diskussion der Runde kreiste um die zentrale Frage, ob gesamtgesellschaftlich zu wenig über Bilder gesprochen werde – angesichts der Bilderflut im Digitalen und der Herausforderungen KI-generierter Bildwelten ein relevantes Thema. Man argumentierte, wog Positionen ab, stritt moderat und fand einen Konsens darüber, dass es „irgendwie schon gut“ und äußerst sinnvoll wäre, wenn jemand einen umfassenden und kompetenten Umgang mit Bildern angesichts der beschriebenen Herausforderungen vermitteln würde. Die Begriffe Kunstpädagogik oder gar Kunstunterricht und Schulefielen an keiner Stelle. Fragen an das Podium waren nicht vorgesehen.
2.: An einem Gymnasium in Hagenow, Mecklenburg-Vorpommern, ist ein Drittel des Abiturjahrgangs im zurückliegenden Schuljahr durch die Prüfung gefallen. Der übliche Landesschnitt liegt zwischen vier und sieben Prozent. Während der Abschlussrede kritisiert eine Schülerin, die selbst nicht bestanden hat, mit deutlichen Worten die Umstände, die zu diesem Ergebnis geführt haben: massiver Unterrichtsausfall, wiederholter Wechsel von Lehrkräften, veraltete Unterrichtsmaterialien und -methoden, verkrustete Strukturen zwischen Lehrenden und Lernenden sowie insgesamt eine mangelhafte Vorbereitung auf die Prüfungen. Das Schlusswort der Rede ist hier nicht zitierfähig, es steht jedoch exemplarisch für den Grad an Verzweiflung, der mittlerweile auf vielen Ebenen im Bildungssystem erreicht ist. Eine erste Stellungnahme des verantwortlichen Schulamtes hielt dagegen, fiel aber recht kleinlaut aus. Allein in Mecklenburg-Vorpommern sind im letzten Schuljahr 350.000 Unterrichtsstunden ausgefallen.
Es bleibt viel zu tun!
Trotz allem: Eine spannende Lektüre dieses Heft es wünscht Ihnen
Tobias Thuge für die Redaktion der BDK-Mitteilungen
Inhaltsverzeichnis BDK-Mitteilungen 3/2026
Multiperspektivische, bildorientierte Kunstdidaktik
Julia Wendemuth
Begabungsförderung im digitalen Raum
Die „Werkstatt Kunst“ der „Digitalen Drehtür“
Jana Tiborra
Fremde Medien im Kunstunterricht richtig verwenden
Technisch möglich – aber auch rechtlich erlaubt?
Sophia Charlotte Keller & Nicolas Thöne
Den Alltag gestalten
Zu den Motivationen ästhetischen Verhaltens bei Erwachsenen
Marie-Luise Dietl
Bekannt, beliebt – banal?
Populäre Kunstgeschichte als Herausforderung
Andreas Zeising
„Kulturelle Bildung in der Schule“
Drei Informationsveranstaltungen an den Pädagogischen Zentren in Brandenburg
Claudia Schümann, Judith Schäfer & Sabina Meier Zur
Zeitbasierte Kunst erleben, Wahrnehmungsräume schaffen
Werkannäherungen im projektorientierten Kunstunterricht
Elisabeth Oczkowski
Unterrichtspraxis
Raum für Träume
Die Frottage-Technik als Experimentierfeld
Marie-Luise Dietl
Unterrichtspraxis
Über Farben sprechen
Farbton, Sättigung und Helligkeit als Eigenschaften von Farbe erfahrbar machen
Theres Steingräber
Laudatio
Historische Tiefenschärfe und ästhetische Erfahrung
Wolfgang Legler zum Achtzigsten
Johannes Kirschenmann
Tagungsbericht
Un_Masculinities. Männlichkeiten im Kunstunterricht verlernen?
Kunstpädagogischer Tag 2026 an der Kunsthochschule Mainz
Julia Weinand & Bernd Kuhnt
Tagungsbericht
Create. Think. Change.
Fachtag Kulturelle Bildung für Brandenburger Lehrkräfte
Cindy Reinhardt
Bücher/Medien
Personalia
Mitteilungen